„Frankie – Unter Menschen" von Jochen Gutsch: Warum dieser Roman gerade genau richtig kommt

23. März 2026|4 Minutes

Manchmal braucht es einen Kater, um die großen Fragen zu stellen. Jochen Gutsch hat das 2023 mit seinem Bestseller Frankie bewiesen – einem Roman, der über Einsamkeit, Depression und Freundschaft erzählte und dabei so leicht daherkam, dass man kaum merkte, wie tief er traf.

Über 240.000 verkaufte Exemplare, 25 Sprachen, ein Kater, der in die Herzen einer ganzen Lesernation spazierte. Jetzt ist Frankie zurück. Frankie – Unter Menschen erschien am 11. März 2026 im Penguin Verlag und stieg direkt auf Platz 1 der Belletristik-Bestsellerliste ein. Diesmal schreibt Gutsch allein und legt einen Roman vor, der noch ein bisschen mutiger ist als sein Vorgänger.

Die Essenz der Geschichte

Frankie hat eigentlich alles, was ein Kater braucht: großes Bett, Futter mit Soße, Riesen-Fernseher. Was fehlt, ist sein Mensch. Gold sitzt seit Monaten in der Psychiatrie, und Frankie streift allein durch die Nächte. Bis er bei einem dieser Streifzüge in ein Müllauto gerät, das ihn weit weg von allem fährt, was er kennt.

Auf seiner verzweifelten Suche nach dem Weg zurück trifft er Shattab: ein Mädchen, allein, schmutzig, auf der Flucht aus dem, was sie selbst die „Kanakensammelstelle“ nennt. Zwei Fremde in einem Land, das keinem von beiden wirklich gehört. Gemeinsam ziehen sie durch Deutschland; begegnen einer alten Frau, die vielleicht mal John Lennons Fotografin war, zwei philosophisch veranlagten Aaskrähen, brutalen Jugendlichen ohne Mitgefühl. Sie rauben moralisch eine Tankstelle aus, fliehen auf eine Hühnerfarm, treiben auf einem Fluss Richtung Nirgendwo. Und die ganze Zeit ist ein Sheriff auf Shattabs Spur.

Gutsch erzählt von Heimat als etwas, das man verlieren kann und von Zugehörigkeit als etwas, das man sich nicht einfach verdienen kann.

Kernbotschaft

Die wichtigsten Motive und Themen

  • Heimat und Verlust: Beiden Hauptfiguren wurde etwas weggenommen – Frankie sein Zuhause, Shattab ihre Sicherheit. Gutsch zeigt, wie Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern ein Gefühl des Ankommens. Und wie es sich anfühlt, wenn dieses Gefühl fehlt. Ohne Sentimentalität. Ohne erhobenen Zeigefinger.
  • Fremdheit als gemeinsame Sprache: Frankie und Shattab verstehen einander nicht immer. Trotzdem – oder genau deshalb – funktioniert ihre Freundschaft. Der Roman macht daraus keine große Geste, sondern kleine Momente: Ein gemeinsames Schweigen. Ein geteiltes Essen. Das Wissen, dass da jemand ist.
  • Deutschland als Reiseland: Die Figuren, denen Frankie und Shattab begegnen, sind ein Querschnitt durch eine Gesellschaft, die nicht immer gut auf Fremde zu sprechen ist. Gutsch schreibt das scharf, manchmal bitter – aber nie ohne Wärme für die Außenseiter.
  • Humor als Schutzschild: Wie schon im ersten Band ist Frankies Stimme das Herzstück des Romans. Er kommentiert die Welt mit entwaffnender Direktheit. Das ist lustig. Und gleichzeitig entlarvend.

Für wen ist dieses Buch?

Für alle, die Geschichten mögen, die leicht beginnen und es dann auch bleiben. Für Leserinnen, die keine Lust auf schwere Kost haben, aber auch nicht auf oberflächliche Unterhaltung. Frankie – Unter Menschen ist das seltene Buch, das man an einem Wochenende liest und danach noch ein paar Tage mit sich trägt.

Praktisch: Mit 224 Seiten und dem Preis von 23,00 Euro ist es auch eine gute Geschenkidee oder der perfekte Einstieg für alle, die den ersten Band noch nicht kennen.

Die Bücher sind unabhängig voneinander lesbar.

Unser Fazit

Frankie – Unter Menschen ist das, was gute Literatur leisten kann: Es unterhält, und es macht etwas mit einem. Nicht laut, nicht belehrend, sondern leise und anhaltend.
Ein Kater auf der Suche nach Hause. Ein Mädchen auf der Flucht. Und die Frage, die beide verbindet: Wo gehöre ich hin?

Selten wurde sie so charmant gestellt.

Dein Begleiter beim Entdecken bedeutungsvoller Geschichten, beim Eintauchen in literarische Stimmen und beim Erkunden der Welt durch Bücher.


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